lernen.hkleg.deWahlpflichtfach InformatikJahrgang 7 › II

II · Informatiksysteme verstehen: Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe

„Mein erstes Gadget ist ein kleiner Computer“ · Orientierungsrahmen ca. 12 Ustd.

Leitfrage: Was steckt hinter „das Gerät macht etwas“ – und warum reagieren zwei gleiche Geräte auf dieselbe Eingabe verschieden?

Worum es fachlich geht

Der fachliche Kern ist die Funktionssicht statt der Gegenstandssicht: Ein System wird nicht über seine Bauteile erklärt, sondern über Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe, den gespeicherten Programmablauf und den inneren Zustand. Der Von-Neumann-Blick entsteht altersgerecht als Antwort auf die Frage, warum dasselbe Gerät verschiedene Dinge tun kann, ohne umgebaut zu werden: weil die Anweisungen gespeichert und austauschbar sind. Bit und Byte werden anschaulich als Größenvorstellung eingeführt, nicht als Rechenverfahren.

MerkmalFestlegung
Jahrgangsfenster7
InhaltsfelderInformatiksysteme · Information und Daten
Inhaltliche SchwerpunkteAufbau und Funktionsweise von Informatiksystemen · Daten und ihre Codierung · Erfassung, Verarbeitung und Verwaltung von Daten
Kompetenz-IDsD3, D4, G2, S1, S3, M6
Zeitlicher Orientierungsrahmenkönnte bei etwa 12 Ustd. liegen
Leistungsbewertungausschließlich nach dem externen Leistungskonzept

D3 – vergleichen Datenmengen hinsichtlich ihrer Größe mit anschaulichen Beispielen aus ihrer Lebenswelt. D4 – codieren und decodieren Daten unter Verwendung verschiedener Codierungsvorschriften. G2 – ermitteln durch die Analyse eines Algorithmus dessen Ergebnis. S1 – identifizieren Beispiele für (vernetzte) Informatiksysteme aus ihrer Lebenswelt. S3 – erläutern grundlegende Prinzipien eines Von-Neumann-Rechners. M6 – stellen den Einfluss von Informatiksystemen auf das eigene Handeln im gesellschaftlichen Kontext dar.

Derselbe Aufbau – jetzt als Untersuchungsgegenstand

Es wird nichts dazugesteckt. Der Aufbau aus dem ersten Unterrichtsvorhaben wechselt die Rolle: vom Werkzeug zum Gegenstand. Das ist didaktisch der entscheidende Schritt – die Lernenden untersuchen ein Gerät, das sie selbst gebaut haben und dessen Verhalten sie kennen.

3D-Modell wird geladen, sobald es sichtbar wird.

    Ziehen dreht das Modell, das Mausrad zoomt. Ein Klick auf einen Bauteilnamen blendet ihn aus oder wieder ein. Blau markiert sind die Bauteile, mit denen in dieser Reihe gearbeitet wird.

    Was praktisch geschieht

    1. Funktionen statt Bauteile benennen

      Der eigene Aufbau wird beschriftet – aber nicht mit „Taster“, sondern mit „hier wird eine Information in das System gegeben“. Die Umstellung von Gegenstand auf Funktion ist die eigentliche Hürde.

    2. Gegenbeispiel bauen

      Ein Bauteil, das nur leuchtet, ohne dass etwas verarbeitet wird, zeigt: sichtbare Wirkung ist noch keine Verarbeitung.

    3. Programm wechseln, Gerät bleibt

      Auf denselben Aufbau kommt ein völlig anderes Programm. Nichts wird umgesteckt – und das Gerät tut etwas anderes. Daraus wird der Gedanke des gespeicherten Programms erschlossen.

    4. Versorgung erfahrbar machen

      Das USB-Kabel wird abgezogen. Ohne Strom kein System: eine banale Beobachtung, die später bei der Fehlersuche zur eigenen Kategorie wird.

    Der Lernweg

    SchrittWas geschiehtLernhandlungLernprodukt
    L1Das eigene Gerät zerlegen — gedanklichDer Aufbau aus UV I wird nach Funktion beschrieben: Was ist hier Eingabe, was Verarbeitung, was Ausgabe?EVA-/Systemdiagramm des eigenen Aufbaus
    L2GegenbeispielEin Bauteil, das nur leuchtet, ohne dass etwas verarbeitet wird, dient als Gegenbeispiel: sichtbare Wirkung ist nicht Verarbeitung.begründete Abgrenzung
    L3ProgrammwechselDasselbe Gerät bekommt ein anderes Programm und tut etwas völlig anderes — ohne Umbau. Daraus wird der Von-Neumann-Gedanke erschlossen (S3).Erklärung „gespeicherte Anweisung → Verarbeitung → Wirkung"
    L4Zustand sichtbar machenEin Programm, bei dem derselbe Tastendruck je nach Vorgeschichte anders wirkt. Der Zustand wird als Erklärung nötig.Beispielpaar mit Erklärung
    L5Ergebnis analysierenEin fremdes Blockprogramm wird gelesen und sein Ergebnis vorhergesagt, bevor es ausgeführt wird (G2).Trace-Tabelle mit Vorhersage
    L6Daten und GrößeWie viel passt in den Speicher des Geräts? Bit und Byte werden an den eigenen Programmgrößen und an Alltagsdaten anschaulich verglichen (D3).Größenvergleich mit Begründung
    L7CodierenEine Codierungsvorschrift wird auf eine Geräteausgabe angewandt und rückwärts gelesen (D4) — Vorbereitung auf UV III.Codiertabelle
    L8Andere Systeme wiedererkennenDieselbe EVA-Struktur wird in Alltagsgeräten wiedergefunden (S1) und ihr Einfluss auf das eigene Handeln beurteilt (M6).Vergleichstabelle, begründete Stellungnahme

    Was dieser Weg zusätzlich leistet

    • Systemgrenze bestimmen: Wo hört das Gerät auf, wo fängt die Umwelt an? Diese Frage entsteht nur an einem realen Aufbau.
    • Versorgung als eigene Größe: Ohne Strom kein System — eine Erfahrung, die A nicht bietet und die auf UV XIV vorbereitet.
    • Bauteilbezeichnung und Fachsprache am realen Objekt.

    Möglicher Stundentakt

    Wochenrhythmus: eine Doppelstunde (DS, 2 Ustd.) und eine Einzelstunde (ES, 1 Ustd.). Die Taktung ist ein Vorschlag; Dauer, Reihenfolge und Sozialform bleiben Entscheidung der Lehrkraft.

    Std.FormatÜberschrift der StundeKernSichtbares Lernprodukt
    1–2DS„Mein Gerät ist ein Computer"Funktionssicht statt Bauteilsicht: Der Aufbau aus UV I wird danach beschrieben, was eingegeben, verarbeitet und ausgegeben wird. [L1]EVA-/Systemdiagramm des eigenen Aufbaus
    3ES„Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe — die Wörter"Fachsprache sichern; Gegenbeispiel: sichtbare Wirkung ohne Verarbeitung. [L2]Wortbank + begründete Abgrenzung
    4–5DS„Ein anderes Programm — ein anderes Gerät"Derselbe Aufbau bekommt ein anderes Programm und tut etwas völlig anderes, ohne Umbau. Daraus entsteht der Von-Neumann-Gedanke. [L3]Erklärung „gespeicherte Anweisung → Verarbeitung → Wirkung"
    6ES„Warum kann dasselbe Gerät Verschiedenes?"Sicherung S3 mit Satzmustern; Diagnose, ob das gespeicherte Programm als Erklärung genutzt wird.Erklärtext mit Fachbegriffen
    7–8DS„Gleicher Druck, andere Wirkung"Ein Programm, bei dem derselbe Tastendruck je nach Vorgeschichte anders wirkt. Zustand wird als Erklärung nötig. Fremden Ablauf lesen und Ergebnis vorhersagen. [L4][L5]Beispielpaar mit Erklärung + Trace-Tabelle
    9ES„Wie viel passt da rein?"Bit und Byte anschaulich als Größenvorstellung; Vergleichsanker aus der Lebenswelt. [L6]Größenvergleich mit Begründung
    10–11DS„Vom Zeichen zur Zahl"Eine Codierungsvorschrift auf eine Geräteausgabe anwenden und rückwärts lesen. Vorbereitung auf UV III. [L7]Codiertabelle mit codiertem und decodiertem Beispiel
    12ES„Dieselbe Struktur überall"EVA-Struktur in Alltagsgeräten wiederfinden; Einfluss auf das eigene Handeln beurteilen. [L8]Vergleichstabelle + begründete Stellungnahme

    Mögliche Vertiefungsstunden

    Module außerhalb des Kerns. Sie können entfallen, ohne den Kompetenznachweis zu berühren.

    ModulUmfangInhaltStrang
    „Der Speicher wird eng"2 Ustd.Programmgröße messen und begründet verkleinern; Grenzen des Rechenkerns erfahrbar machen.E2
    „Systemgrenze"2 Ustd.Fälle sammeln, in denen die EVA-Zuordnung strittig ist, und die Strittigkeit begründen.E3
    „Ein Gerät ohne sichtbare Ausgabe"2 Ustd.Ein System beschreiben, dessen Wirkung man nicht sieht — Verarbeitung ohne Anzeige.E1
    „Was ist kein Informatiksystem?"2 Ustd.Abgrenzung an Grenzfällen (mechanische Uhr, Lichtschalter, Taschenrechner).E3

    Diagnose und Differenzierung

    Erwartbare Fehlvorstellungen

    • Systemteile werden nach Gegenstand statt nach Funktion zugeordnet („der Taster ist die Eingabe" statt „hier wird eine Information in das System gegeben").
    • Sichtbare Wirkung wird für Verarbeitung gehalten.
    • „Zustand" wird mit „Position im Ablauf" verwechselt.
    • Bit/Byte werden als Rechenaufgabe statt als Größenvorstellung erlebt.

    Diagnosezeichen und passende Hilfe

    DiagnosezeichenHilfeErneute Prüfung
    Zuordnung erfolgt über BauteileH1 EVA-Karten mit Funktionsfragen · H3 Beispiel und Gegenbeispiel laut denkenein zweites System selbst zuordnen
    Verarbeitung wird nicht benanntH2 die drei Fragen trennen: Was geht hinein? Was geschieht? Woran sieht man es?ein System ohne sichtbare Ausgabe beschreiben
    Zustand wird nicht als Erklärung genutztH2 zwei gleiche Eingaben mit verschiedener Wirkung nebeneinanderlegeneine dritte Wirkung erklären
    Bit/Byte bleiben inhaltsleerH1 Vergleichsanker aus der Lebenswelt (ein Foto, ein Lied, ein Buch)eine neue Datenmenge einordnen

    Herausforderung nach oben

    • E1 dasselbe Modell auf ein unbekanntes Gerät übertragen.
    • E2 ein System finden, bei dem die Zuordnung strittig ist, und die Strittigkeit begründen.
    • E3 beurteilen, was sich änderte, wenn die Verarbeitung nicht im Gerät, sondern woanders stattfände — Vorgriff auf UV IV.

    Nachweis der Kompetenzen

    KompetenzWie sie in dieser Reihe nachgewiesen wird
    D3Größenvergleich an Programm- und Alltagsdaten (L6)
    D4Codiertabelle auf eine Geräteausgabe angewandt (L7)
    G2Trace-Tabelle mit Vorhersage vor Ausführung (L5)
    S1Wiedererkennen der EVA-Struktur in Alltagsgeräten (L8)
    S3Prinzip am Programmwechsel erschlossen (L3)
    M6Stellungnahme mit Bezug zum eigenen System (L8)

    Wenn die Technik ausfällt

    Zu jedem praktischen Schritt gibt es einen vollständigen Weg ohne Gerät. Er ist sofort einsetzbar und trägt dasselbe Fachprodukt:

    • EVA-Karten für Systemteile und Datenwege
    • Systemmodell auf Papier ergänzen und begründen
    • vorgegebener Ablauf als Trace-Tabelle von Hand
    • Codiertabelle auf Papier.

    Anschluss an andere Unterrichtsvorhaben

    • Aktivieren: Sequenz und Ablaufdarstellung aus I (kurze Diagnose, keine stillschweigende Voraussetzung).
    • Neu einführen: EVA, Systemgrenze, gespeichertes Programm, Zustand, Bit/Byte anschaulich, Codiertabelle.
    • Übergeben: Codierung an III; Datenfluss an IV; EVA und Zustand an VI, VII und XIV.